Wer ein Unternehmen übernimmt, übernimmt nicht nur Verantwortung für Zahlen und Prozesse, sondern auch für Menschen. Gleichzeitig steht die neue Generation vor der Aufgabe, bestehende Teams zu stabilisieren und neue Talente zu gewinnen. Damit wird die Mitarbeitersuche zu einem zentralen Gestaltungsfeld der Nachfolge.
Neue Anforderungen an Mitarbeiterprofile
In vielen Familienbetrieben war die Personalsuche lange von Kontinuität geprägt. Loyalität, regionale Verbundenheit und lange Betriebszugehörigkeit standen im Vordergrund. Rekrutiert wurde häufig über persönliche Netzwerke und Empfehlungen. In den letzten Jahren hat sich dieser Zugang sehr verändert und war einem großen Wandel unterworfen. Mit dem Generationenwechsel ergibt sich die Möglichkeit, diesen Weg neu zu definieren. Nicht nur, dass die Nachfolger:innen neue Perspektiven mitbringen und neue Technologien nutzen haben sie mitunter auch andere Vorstellungen von Zusammenarbeit. Dies verändert unternehmensintern auch die Sichtweise in Bezug auf die Mitarbeiterprofile und passt sie mitunter an die aktuellen Gegebenheiten an.
Während früher Verlässlichkeit das oberste Prinzip bei der Mitarbeitersuche war gewinnen heute auch andere Eigenschaften mehr an Bedeutung wie z.B.:
- Eigenverantwortung
- Lernbereitschaft
- Veränderungskompetenz
- digitale und soziale Fähigkeiten
- Kunden- und Projektorientierung
Die zentrale Frage kann daher nicht mehr lauten „Wer passt zu uns“ sondern wird zunehmend an die Frage „Wer bringt uns in die Zukunft“ angepasst.
Neue Medien und neue Zielgruppen
Mit der Nachfolge verändert sich meist auch die Art, wie Mitarbeitende gesucht werden. Während frühere Generationen vor allem auf regionale Zeitungen, persönliche Kontakte und Branchenempfehlungen setzten, ist es wahrscheinlich, dass Nachfolger:innen heute verstärkt digitale Kanäle nutzen.
Dazu zählen unter anderem:
- Online-Jobbörsen
- Social-Media-Plattformen
- eigene Karriereseiten
- Netzwerke und Kooperationen mit Bildungseinrichtungen
Damit werden neue Zielgruppen erreicht: jüngere, mobilere und besser informierte Bewerber:innen. Diese vergleichen Arbeitgeber, recherchieren online und erwarten Transparenz. Die Wahl der Recruiting-Kanäle ist daher kein technisches Detail, sondern Ausdruck der strategischen Ausrichtung des Unternehmens. Sie zeigt, wie offen ein Betrieb für neue Arbeitsformen und neue Generationen ist.
Der Einfluss der Nachfolger:innen auf das Team
Jede Nachfolger:in bringt persönliche Werte, Erfahrungen und Arbeitsstile im Unternehmen ein. Diese haben auch unmittelbar Auswirkungen auf die Mitarbeitersuche und schlussendlich die Zusammensetzung des Teams.
Viele Nachfolger:innen bevorzugen heute:
- flachere Hierarchien
- mehr Beteiligung
- projektorientiertes Arbeiten
- kontinuierliche Weiterentwicklung
- offene Kommunikation
Entsprechend werden auch Mitarbeitende gesucht, die diese Kultur mittragen und aktiv mitgestalten wollen. Das kann zu Spannungen mit bestehenden Teams führen, insbesondere wenn bisher andere Arbeitsweisen üblich waren. Wenn man es schafft, diese Chance zu nutzen, kann man das Unternehmen zukunftsfähiger aufstellen und damit u.a. auch neue Kompetenzen aufbauen. Somit könnte die neue Zusammensetzung des Teams zum Spiegel der neuen Unternehmensphase werden.
Fazit: Mitarbeitersuche als Gestaltungsinstrument der Nachfolge
Die Nachfolge verändert, wie Familienbetriebe nach Mitarbeitenden suchen – und wen sie suchen. Neue Anforderungen, neue Kanäle und neue Führungsstile prägen den Rekrutierungsprozess.
Erfolgreiche Nachfolger:innen nutzen diese Phase bewusst, um einerseits ihr Unternehmen personell weiterzuentwickeln sowie andererseits dem aktuellen Trend zu folgen. Sie erkennen, dass man gerade in der Rekrutierung die sozialen Medien nicht mehr außen vor lassen kann und zeigen mitunter weniger Berührungsängste. Dazu wird die Besetzung von offenen Stellen nicht nur als Mitarbeitersuche, sondern auch als strategisches Instrument für die Zukunft angesehen.
Dies in Summe macht auch die Personalauswahl zu einem der wichtigsten Hebel für eine gelungene Unternehmensnachfolge.
Dr. Hubert Kienast
Übergabeberater und Coach für Familienbetriebe




