Im Rahmen der Veranstaltung in Zwettl wurde das Thema „Weichende Erben“ von drei Seiten – aus der betriebswirtschaftlichen, der (erb-)rechtlichen sowie der des Notars betrachtet – alle waren sich einig, dass diese Thematik nicht zu unterschätzen sei:
Weichende Erben gehören zu den sensibelsten Themen jeder familieninternen Unternehmensnachfolge. Gemeint sind jene Geschwister oder Familienmitglieder, die den Betrieb nicht übernehmen und daher anderweitig abgefunden werden müssen. Gerade in Familienunternehmen entscheidet der Umgang mit diesem Thema oft darüber, ob die Nachfolge langfristig Stabilität schafft – oder Konflikte hinterlässt.
Dieses Thema braucht Klarheit, Struktur und vor allem den richtigen Zeitpunkt. Zunächst müssen sich Übergeber und Nachfolger über die zentralen Fragen der Übergabe einig sein. Dazu gehören insbesondere:
- die zukünftige Ausrichtung des Unternehmens
- die Führungsrolle des Nachfolgers
- die wirtschaftliche Tragfähigkeit der Übergabe
- sowie die Sicherstellung, dass alle wesentlichen Produktionsmittel in einer Hand bleiben
Denn eines darf nicht übersehen werden: Die Unternehmensnachfolge dient in erster Linie dem Fortbestand des Betriebes, der Sicherung von Arbeitsplätzen und der Zukunftsfähigkeit des Unternehmens. Wird der Betrieb wirtschaftlich geschwächt, hilft das langfristig niemandem – auch nicht den weichenden Erben.
Gerade deshalb ist es wichtig, dass Pflichtteilsansprüche klar geregelt werden. In vielen Fällen erfolgt dies über einen notariellen Pflichtteilsverzicht. Ziel ist es, spätere Unsicherheiten oder Zersplitterung des Unternehmensvermögens zu vermeiden.
Gleichzeitig dürfen weichende Erben im Prozess nicht ignoriert werden. Sie wollen gehört, informiert und ernst genommen werden. Häufig geht es dabei weniger um reine Vermögensfragen als um Fairness, Wertschätzung und den eigenen Platz innerhalb der Familiengeschichte.
Die Herausforderung besteht darin, diese Gespräche bewusst zu führen, ohne dass sie das zentrale Ziel der Nachfolge überlagern. Sobald ausschließlich über Ausgleichszahlungen, Ansprüche oder Verteilungen gesprochen wird, gerät der eigentliche Fokus leicht verloren: die erfolgreiche Weiterführung des Unternehmens.
Erfolgreiche Familien schaffen es daher, zwei Dinge miteinander zu verbinden:
- wirtschaftliche Stabilität des Betriebes
- und faire, transparente Kommunikation innerhalb der Familie
Wo diese Balance gelingt, entsteht Vertrauen – und die Nachfolge wird nicht zur Belastungsprobe, sondern zur gemeinsamen Zukunftsentscheidung.
Dr. Hubert Kienast
Übergabeberater und Coach für Familienbetriebe




